Autor: Torsten KleinAktualisiert: 8. Juli 2020 | Lesezeit: 6 Minuten

Ja, in fasst 70 % der Fälle sind Gefäßerkrankungen die Hauptursache von Impotenz bzw. Erektionsstörungen.

Eine Erektionsstörung kann sogar als Hinweis auf eine systemische Erkrankung des Gefäßsystems sein. Noch bevor Herz-Kreislauferkrankungen sich anderswo im Körper bemerkbar machen, beeinträchtigen sie sehr häufig zunächst die Sonderfunktion Gliedversteifung.

Mit speziellen Strukturen leistet das Blutgefäßsystem im Schwellkörper Bereich schließlich Höchstleistung. Wenn die Funktion einschränkt ist, macht sich dies also schnell als Erektionsstörung bemerkbar.

Eine Impotenz kann daher als Warnhinweis für gefährliche Folgeerkrankungen sein und sollte daher stets von einem Urologen untersucht werden.

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Was sind Gefäßerkrankungen überhaupt?

Ganz überwiegend handelt es sich um krankhafte Veränderungen der Schlagadern:

  • Arterienverkalkung (Arteriosklerose)
  • Gefäßschäden durch Zuckerkrankheit (diabetische Angiopathie)

Für die Entwicklung einer Arteriosklerose gibt es eine ganze Reihe – beeinflussbarer – ungünstiger Faktoren:

Welche zusätzlichen Folgen haben sie?

  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Schaufensterkrankheit
  • Nierenschwäche

Sind Gefäßerkrankungen das gleiche wie Herz-Kreislauferkrankungen?

Ja, mit Einschränkungen.

Ganz allgemein sind unter Gefäßerkrankungen alle von der Norm abweichenden Veränderungen von Blutgefäßen (Arterien, Venen) – und Lymphgefäßen zu verstehen. Meistens sind damit jedoch Krankheiten der Schlagadern gemeint. Denn diese sind in unserem Kulturkreis zum einen mit Abstand am zahlreichsten und haben zum anderen die ernsthaftesten Auswirkungen.

Natürlich existieren noch weitere Formen von Gefäßkrankheiten, wie das bekanntere Raynaud-Syndrom, Krampfadern (Varizen) bei Venen oder Lymphgefäßentzündung (Lymphangitis). Im Zusammenhang mit Erektionsstörungen sind jedoch tatsächlich die Herz-Kreislauferkrankungen auf der Basis von defekten Schlagadern relevant.

Arteriosklerose und diabetische Angiopathie sind die bei weitem häufigsten arteriellen Gefäßerkrankungen.

Dadurch entstehen nahe zu identische Folgeerkrankungen wie:

  • Herzinfarkt (Verschluss der Kranzarterien)
  • Schlaganfall (ischämisch: unterbrochene Blutversorgung)
  • Schaufensterkrankheit (Arterienverschluss in den Beinen, pAVK) und
  • Nierenschwäche (Niereninsuffizienz durch Minderdurchblutung)

Wie entsteht eine Arteriosklerose?

Letztlich hängen Herz-Kreislauferkrankungen wie koronare Herzkrankheit (KHK, Verengung der Herzkranzgefäße), Schlaganfälle (durch Verschluss von Halsschlagadern oder Hirnarterien) oder Bluthochdruck alle miteinander zusammen:

Arterienverkalkung in verschiedenen Körperregionen führt dazu, dass die Schlagadern an Elastizität einbüßen.

Die Gefäßwände können ihrer zugedachten Aufgabe immer weniger nachkommen: Sie sollen mit ihrer glatten Muskulatur das Herz bei der Blutverteilung bis in die entferntesten Körperbereiche unterstützen. Sie lassen sogar bei der Versorgung des Herzmuskels nach, bis das Herz droht stehenzubleiben.

  • Die Gefäßwandungen werden steifer, weil sich im Gefäßinneren sogenannte Plaques ablagern.
  • Ungünstig zusammengesetzte erhöhte Blutfette fördern den Prozess.

Diese Ablagerungen bestehen aus Fett, Blutgerinnseln, Bindegewebe und Kalk. Solche Plaques können im Laufe der Zeit an bestimmten Stellen das gesamte Gefäß verschließen.

Dies geschieht typischerweise auf dem Weg zu den Kranzgefäßen des Herzens: Herzinfarkt, in den Halsschlagadern zum Gehirn: Schlaganfall oder in den Beinen: periphere arterielle Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit).

Diese fortgeschrittenen Stadien sind ernst und regelmäßig Anlass zu massivem ärztlichem Eingreifen. Nicht selten nehmen sie auch einen fatalen Ausgang. Folge von Arteriosklerose können auch Gefäßrisse mit Blutungen oder nicht minder riskanten Gerinnseln sein.

Arteriosklerose und Impotenz

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Die Zellen der Gefäßinnenwand spielen eine zentrale Rolle bei der ordnungsgemäßen Funktion von Arterien. Diese Endothelzellen sind es, die die Regulation übernehmen. Sie veranlassen die Arterie unter anderem dazu, sich zu weiten, je nachdem, was gerade an welcher Stelle erforderlich ist.

Dabei nehmen die gleichen Mitspieler teil, wie bei einer Peniserektion: cGMP, PDE, NO.

Die Beweislage verdichtet sich mittlerweile darauf, dass eine Schädigung des Endothels den eigentlichen Ursprung von Arteriosklerose und all ihrem Gefolge darstellt. Die Endothelarbeit ist in Wirklichkeit noch weit komplizierter, als wir es hier darstellen können und wollen. Eine solche endotheliale Dysfunktion findet jedenfalls nicht bloß lokal statt, sondern fast im gesamten Gefäßsystem (generalisiert), alle oben genannten Risikofaktoren tragen ihren Teil dazu bei.

Da verwundert es auch nicht, wenn bei den komplexen Vorgängen im Zuge einer Peniserektion schon die frühesten Erkrankungsstadien genau dort eine spürbare Auswirkung zeigen.

Die speziell ausgerüsteten Gefäßstrukturen mit Schwellkörpern, Schwammgewebe, Stauvorrichtungen gegen venösen Abfluss und besonders druckresistenten Gefäßwänden reagieren ausgesprochen sensibel auf funktionelle Ausreißer: Und schon klappt die „Hydraulik“ nicht.

Häufig können sich nicht nur die Schwellkörper nicht mehr vollständig füllen, zusätzlich ist auch ein sogenanntes venöses Leck dafür verantwortlich, dass sich kein Druck mehr aufbauen kann.

Der Penis ist die Wünschelrute des Gefäßsystems

Dies ist ein gern und viel zitierter Satz in Urologenkreisen und keineswegs despektierlich gemeint.

Im Gegenteil, er trifft des Pudels Kern auf den Punkt. Etwa 80 Prozent der Herz-Kreislaufkranken leiden unter Erektionsstörungen. Und umgekehrt sind 7 von 10 Fällen dauerhaften Penisversagens auf kranke Gefäße zurückzuführen.

Eine der ersten Fragen beim Facharzt gilt daher zu Recht eventuell bekannten Gefäßerkrankungen. Verneint der Patient, beginnt der Urologe die Suche nach Hinweisen auf beginnende oder schon manifeste Arteriosklerose. Weist er anhand einer Farbdoppler- oder Duplexsonographie der Penisgefäße Störungen der Durchblutung nach, überweist er parallel zu seiner Arbeit weiter an einen Kollegen vom anderen Fach: Kardiologie, Angiologie.

  • Der Urologe könnte also durchaus feststellen, dass noch ganz anderes gesundheitliches Probleme vorliegt.

Erektionsstörungen dienen als Warnung vor Herzkrankheiten

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Impotenz kann ein Warnzeichen für ernst zu nehmende Gefäßkrankheiten sein. Diese können oft unbemerkt bleiben. Das ausbleiben einer Erektion kann also ein hilfreiches Warnsignal sein. Ein Arztbesuch ist ratsam.

Die erektile Dysfunktion ist verbriefter Vorbote einer koronaren Herzkrankheit (KHK), welche wiederum Vorstufe des Herzinfarktes ist.

Bereits ein bis fünf Jahre vor dem Einsetzen eklatanter Herzbeschwerden zeigen sich Schwächen der Erektionsfähigkeit. Bei 39 Prozent der Männer mit bekannter Herzkrankheiten ist die Impotenz besonders stark.

Hypertonie (Bluthochruck) als Auslöser

Bluthochdruck ist ein weiterer Kandidat im zerstörerischen Pakt gegen das Herz-Kreislaufsystem. Konstanter Hochdruck schädigt das angeschlagene Endothel noch zusätzlich.

Hypertonie verursacht keine unangenehmen Symptome und bleibt deshalb viel zu häufig unentdeckt. Doch rund 50 Prozent der Männer mit zu hohem Blutdruck haben auch erektile Fehlfunktion.

Blutfette verursachen Impotenz?

Es gibt zwar einen klaren Zusammenhang zwischen hohen Werten an Gesamtcholesterin, niedrigen HDL-Blutspiegel und Erektionsstörungen. Beide Blutfette sind allerdings Unterstützer der Arteriosklerose.

Das tödliche Quartett: metabolisches Syndrom

Auffällig oft treten folgende, Ihnen teils schon bekannte „Gefäßfeinde“ gemeinsam auf, weshalb dieses „Stoffwechsel“-Quartett eine eigene Bezeichnung als Syndrom (Symptomenkomplex) besitzt:

  • starkes, bauchbetontes Übergewicht (Stammfettsucht)
  • Bluthochdruck
  • gestörter Fettstoffwechsel
  • erhöhter Blutzucker (Insulinresistenz oder -unempfindlichkeit, Vorstufe von Diabetes)
Diese Kombination ist gilt als besonders gefährlicher Arteriosklerose-Cocktail.

Denn auch hoher Blutzucker schädigt direkt das Gefäßendothel. Es kann obendrein mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass auch die Harnsäurewerte erhöht sind (Gicht), Blutgerinnungsstörungen vorliegen und schwelende entzündliche Prozesse im Körper stattfinden. Dies gilt als wahrhaft tödliches Quartett.

Diabetes, diabetische Angiopathie & Impotenz

  • Die Zuckerkrankheit Diabetes Typ 2 ist eine weitere Folgeerkrankung des metabolischen Syndroms.
Je nach Altersgruppe liegt die Häufigkeit einer Erektionsstörung hier zwischen 30 und 70 Prozent. Sehr oft (zu etwa 50 Prozent) erscheint sie innerhalb der ersten 10 Jahre nach einer Diabetes-Diagnose.

Bei nicht wenigen Betroffenen (12 %) ist die Erektionsstörung sogar wieder einmal Vorbote, in diesem Fall eines Diabetes. Auch hier kann also der Urologe Unentdecktes zutage befördern.

Diabetische Angiopathie, also die Gefäßerkrankung durch Diabetes, ist eine direkte Konsequenz zu hoher Glucose im Blut. Sie löst eine ganze Kaskade irregulärer Mechanismen im Endothel aus. Diabetes-Patienten vom Typ 1 leiden an derselben endothelialen Dysfunktion durch Hyperglykämie (Überzuckerung).

Diabetiker haben insgesamt zwei- bis viermal häufiger schwerwiegende Gefäßerkrankungen als Menschen ohne die Stoffwechselerkrankung.

Wir nennen hier nur die wichtigsten, weil gefährlichsten Faktoren. Klar ist alles andere, was zusätzlich der Herz- und Gefäßgesundheit schadet, der sexuellen Fitness ebenso wenig förderlich: Mangel an Bewegung, Fehlernährung, Rauchen, Alkohol.

Behandlung von Impotenz bei Gefäßerkrankungen

Alle Maßnahmen zur Besserung der Herz-Kreislaufsituation helfen:

  • Bei Übergewicht eine Gewichtsreduktion
  • Körperliche Betätigung (mehr Bewegung)
  • Gesunde ausgewogene Ernährung
  • Bei Nikotinkonsum die Rauchentwöhnung
  • Bei Alkoholkonsum gilt es diesen zu reduzieren
  • Diabetiker benötigen eine gesunden Blutzuckerspiegel

Medikamente gegen Gefäßkrankheiten können oft auch die Potenzstörung verbessern:

Wenn bei Bluthochdruck ein Blutdrucksenker eingesetzt wird, kann diese positive Wirkungen auf die Potenz haben. Blutgerinnungshemmer fördern den allgemeinen Blutfluss. Einige weitere Arzneimittel zur Senkung des Herz-Kreislaufrisikos unterstützen ebenfalls.

Potenzmittel bei Herzerkrankungen & Impotenz

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Viagra ist das bekannteste Potenzmittel. Da es ursprünglich gegen Herzkrankheiten entwickelt werden sollte, kann es bei Gefäßbedingter Impotenz sehr effektiv helfen. Die Erstdiagnose sollte allerdings beim Arzt erfolgen, damit gefährliche Gefäßkrankheiten ebenfalls erkannt und behandelt werden können.

Je nach Ausmaß sind PDE-5-Hemmer die Mittel der Wahl und helfen zumindest zeitweise (meist bis zu 5 Stunden). Diese Mittel werden von einem Arzt (Urologen) verschrieben.

Ursprünglich wurde das bekannteste Potenzmittel Viagra sogar als Herzmedikament entwickelt. Die positive Wirkung auf die Erektion war ein zufälliger Nebenfund, welcher dann zur Haupteigenschaft des Medikaments wurde.

Die bekanntesten Potenzmittel sind:

Eine dauerhafte Behebung der Potenzstörung kann oft nur über natürliche Wege erfolgen, in so fern dies noch möglich ist. Wobei eines der Potenzmittel, sogar dauerhaft, eingenommen werden kann: Cialis (Tadalafil) in 5 mg. Da die Halbwertszeit von Tadalafil bei über 17 Stunden liegt, kann es niedrig dosiert täglich eingenommen werden und somit eine dauerhafte Bereitschaft bieten.

Bei Erektionsstörungen ab zum Arzt

Erektionsstörungen können ein Warnzeichen sein
Wenn dieser Artikel eines gezeigt hat, dann dass bei Erektionsstörungen ein Arzttermin sinnvoll ist. Das ausbleiben einer Erektion kann in manchen Fällen auch einfach nur Kopfsache sein, es kann allerdings auch ein Vorbote von Gefäßkrankheiten sein. 

Beim Arzt können unterschiedliche Untersuchungen vorgenommen werden, welche eine gefährliche Gefäßkrankheit schnell ausschließen oder erkennen können.

Sollte ein Potenzmittel gegen die Erektionsstörungen verschrieben werden, kann für zukünftige Folgerezepte auch das Internet genutzt werden. Eine Online Sprechstunde erspart somit den erneuten Gang zum Arzt und unangenehme Situationen in der Apotheke.

Für die erstmalige Diagnose ist der persönliche Arztbesuch allerdings ratsam.

 

Quellen, wissenschaftliche Studien & Literatur:
  1. Erectile dysfunction and coronary artery disease prediction: evidence-based guidance and consensus | onlinelibrary.wiley.com
  2. Impotenz kann Warnzeichen für Herzkrankheiten sein – T-Online

Fotos:  donfiore | Shutterstock.com