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Ja, durch zu viel Pornografie kann eine Erektionsstörung entstehen. Die durch Pornografie ausgelöste erektile Dysfunktion ist dann psychologisch bedingt, da körperlich meist noch alles funktioniert.

Durch die Pornografie wird ständig ein neues Glücksgefühl erzeugt, welches sogar immer reizvoller und intensiver werden soll. Das Glücksgefühl ist über einen sehr leicht zugänglichen und einfachen Weg zu erreichen. Folglich steigt der Druck, sich neuen Reizen auszusetzen, normaler Sex wird dadurch immer uninteressanter.

Pornografie verändert die Wahrnehmung:
Eine veränderte Wahrnehmung des Geschlechtsaktes macht es zunehmend schwer, eine normale Erektion aufzubauen und zu halten. Der Grund hierfür geht in erster Linie auf eine Reduktion der Dopamin-Rezeptoren im Gehirn zurück. Das natürliche Glücksgefühl sexueller Befriedigung lässt sich auf diese Weise immer schwerer erreichen.
Folglich bleibt auch die Erektion bei normalen sexuellen Handlungen aus. Es können sich Erektionsstörungen entwickeln.

Was kann man dagegen tun? Wir klären im Artikel über die Porno-induzierte erektile Dysfunktion auf und stellen mögliche Lösungen vor.

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Schaue ich zu viel Pornos?

Haben Sie Erektionsstörungen durch Pornografie?  Testen Sie sich selbst (anonym):
Wie häufig konsumieren Sie Pornografie?
 

Warum machen zu viele Pornos Impotent?

Der regelmäßiger Konsum von Pornografie kann diverse sexuelle Störungen verursachen, darunter auch eine erektile Dysfunktion.

Die erektile Dysfunktion wird bis heute stark mit körperlichen Beschwerden des fortgeschrittenen Alters assoziiert. Junge Männer, welche die Diagnose erhalten, blicken meist auf psychische Ursachen der Erkrankung, die oftmals auf den exzessiven Konsum von pornografischen Inhalten zurückzuführen sind. Die Rede ist dann von einer Porno-induzierten erektilen Dysfunktion.3Porn-induced erectile dysfunction: How does it happen? medicalnewstoday.com

Bei der Porno-induzierten erektilen Dysfunktion ist die durch eine Abhängigkeit von pornografischen Inhalten hervorgerufene Reizüberflutung dafür verantwortlich, dass der reale Geschlechtsakt mit der Partnerin von Potenzproblemen begleitet wird.

Betroffenen Männern fällt es in dieser Lage schwer, die für die Penetration notwendige Erektion zu erlangen und zu halten. Zusätzlich können auch die Vorstellungen aus der Pornografie zu einem unrealistischen Bild führen, welche im echten Sex nicht erreicht werden können.

Wer insgesamt einen hohen Konsum von Pornos vorzuweisen hat, der neigt unterbewusst dazu, bestimmte Dinge auch auf den realen Geschlechtsverkehr zu übertragen.

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Die Wirkung der Pornografie aufs Gehirn

Pornografische Inhalte sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Gerade ihre dauerhafte Verfügbarkeit im Internet macht sie für Männer attraktiv. Während anfänglich vergleichsweise harmlose Sexszenen für eine ausreichende Stimulation sorgen, ist im Laufe der Zeit eine Intensivierung notwendig.

Exotische Fetische, Gruppenszenen und ähnliche Auswüchse sind nun erforderlich, um in gleicher Weise sexuell stimuliert zu werden.

Video über die Gefahr von zu viel Porno-Konsum:

Der exzessive Konsum pornografischer Inhalte führt letztlich dazu, dass die eigene Partnerin ihre sexuellen Reize einbüßt. Damit sinkt die Lust an realem Geschlechtsverkehr, der scheinbar nicht mit den reizvollen Darstellungen der Pornografie mithalten kann.

Eine wichtige Funktion kommt dem Neurotransmitter Dopamin zu. Das sogenannte „Glückshormon“ ist aus evolutionärer Sicht dafür verantwortlich, dass lebenserhaltende Verdienste belohnt werden, so auch die Reproduktion.

Die ständige Verfügbarkeit der Online-Pornografie ist nun dafür verantwortlich, dass eine unnatürlich starke Erhöhung des Dopaminspiegels nur wenige Klicks entfernt liegt.

Wer diesen Mechanismus durch den regelmäßigen Konsum von Pornos häufig ausnutzt, muss mit unangenehmen Nebenwirkungen rechnen. Im Gehirn verringert sich die Anzahl der Dopaminrezeptoren. Genau dieser strukturelle Umbau ist dafür verantwortlich, dass ein Druck zur ständigen Luststeigerung besteht, der letztlich die Reizschwelle immer weiter steigen lässt.

Die durch die Selbstbefriedigung erreichte Stimulation übersteigt die Reize des vaginalen Geschlechtsverkehrs, der Orgasmus erfolgt nun nur noch verzögert und bleibt mit der Zeit sogar ganz aus.

Setzt sich dieser Kreislauf fort, so ist bereits die Erektionsfähigkeit stark herabgesetzt und eine psychisch begründete erektile Dysfunktion bildet sich heraus.

Aktuelle Studien zeigen, dass inzwischen jeder dritte Mann mit den Folgen der Porno-induzierten erektilen Dysfunktion konfrontiert ist.2Is Internet Pornography Causing Sexual Dysfunctions? A Review with Clinical Reports – Behav. Sci. 2016, 6(3), 17;  Received: 10 May 2016 / Revised: 29 July 2016 / Accepted: 2 August 2016 / Published: 5 August 2016 – doi.org

Versagensängste durch Pornos können steigen

Doch nicht nur die Dopamin Funktion kann gestört werden, auch unerwartet hohe Ansprüche können durch die Pornografie erzeugt werden.

In den Filmen wird die maskuline Leistungsfähigkeit künstlich stilisiert und auf diese Weise zum Normalfall gemacht. Dauerhaft starke Erektionen und der ausgesprochen intensive sexuelle Kontakt über lange Zeiträume werden als Norm präsentiert.

Auf diese Art und Weise entsteht eine unnatürlich hoch gesteckte Messlatte des starken und immer potenten Mannes. Filmdarstellung und Wirklichkeit können auf diese Weise eine stark zunehmende Distanz aufweisen, die den eigentlichen Geschlechtsakt zunehmend mit Ängsten und Frustration in Verbindung bringt.

Pornos schaden der Beziehung & im Bett

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Zu viel Pornos können nicht nur der Potenz – sondern auch der gesamten Beziehung schaden.

In einer Partnerschaft bedeutet ein häufiger Pornokonsum leider oft, dass das Interesse am eigenen Partner sinkt, da dieser nicht die Ansprüche erfüllt, die in der Pornographie suggeriert werden.

Dabei können durch die Pornografie veränderte optische Ansprüche als auch sonst unübliche sexuelle Handlungen suggeriert werden. Vorstellungen die sonst nie zu einem Problem geführt hätten, können durch die Pornografie unterbewusst erzeug und durch zunehmenden Konsum der Pornos verstärkt werden.

Das eigene Sexualleben erzeugt dann keinen ausreichenden Reiz, da jede Interaktion automatisch mit den Inhalten & Handlungen aus den Pornos verglichen wird.

Beziehungsprobleme durch Pornos sind keine Seltenheit

Diese mangelnde und weiter nachlassende sexuelle Anziehung ist es auch, welche dann zu Problemen in der Beziehung führen kann.

Männer die von Pornografie abhängig sind, wollen in erster Linie die eigenen Wünsche erfüllt haben. Dabei steigt die Gefahr immer selbstsüchtiger nach der Erfüllung der eignen Reize zu suchen.

Die Rücksicht auf die Bedürfnisse der Partnerin scheinen dabei stark zu sinken. In jeder Beziehung stellt dies natürlich eine große Gefahr und Belastung dar, die es besser zu vermeiden gilt. Denn die Probleme werden mehr und mehr.

Auch Singles können unter der Pornosucht leiden

Bei alleinstehenden Männern kann es ebenfalls zu gewissen Schwierigkeiten kommen. Hier wird der Konsum von Pornographie häufig durch sexuellen Frust befeuert.

Gleichzeitig kann es auch auf Unerfahrenheit und Angst vor dem sexuellen Verkehr mit einer Frau zurückzuführen sein, dass immer wieder auf Pornos zurückgegriffen wird, um ein Gefühl der Unterlegenheit in ein Gefühl der Lust zu verwandeln.

Um diesem Teufelskreis überhaupt entfliehen zu können, ist es notwendig, sich die eigenen Grenzen vor Augen zu führen. Ansonsten besteht gerade in diesem Fall die große Gefahr, an Impotenz durch Pornografie (Porno-induzierte erektile Dysfunktion) zu erkranken.

Lösungen gegen Erektionsstörungen durch Pornos

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Ist das Phänomen reversibel? Lässt sich die durch Pornos ausgelöste Erektionsstörung wieder beheben?
Ja, ein sogenanntes ‚Rebooting‘ kann die Reizschwelle wieder senken und damit einen befriedigenden Geschlechtsakt ermöglichen.
Ziel ist dabei die gezielte Reduktion des Pornokonsums, im Idealfall die komplette Abstinenz.

Entscheidend für die Frage, wie schnell sich die negativen Folgen überwinden lassen, sind wiederum Individuelle Parameter. Hilfreich ist dabei auch die professionelle Unterstützung durch einen Psycho- oder Sexualtherapeuten.

Hilfe durch Pornoentzug

Durch eine bewusste Reduzierung des Konsums, den Verzicht auf die extremen Gipfel des Pornokonsums und im Idealfall die komplette Abstinenz lassen sich die Folgen rückgängig machen.

Bekannt hierfür ist die NoFap Bewegung welche zwar nicht nur auf Pornografie verzichtet, sondern grundlegend auf die Selbstbefriedigung.

Zwar muss im Falle der Porno-induzierte Erektionsstörung nicht komplett auf Masturbation verzichtet werden, der Verzicht auf Pornografie ist allerdings ein entscheidender Faktor.

Das menschliche Gehirn besitzt dazu die Fähigkeit, sich neu anzupassen, um wieder auf natürliche sexuelle Reize ausreichend zu reagieren. Beobachten lassen sich diese Verbesserungen bereits nach rund drei Monaten.

Wie lange dauert die Besserung?

Wie lange die Wiederherstellung der ursprünglichen sexuellen Reizbarkeit tatsächlich dauert, ist wiederum von individuellen Faktoren abhängig.

Besonders nachhaltig sind die Auswirkungen des Pornokonsums dann, wenn die Inhalte schon in jungen Jahren, vor dem ersten realen Geschlechtsverkehr besonders lange und intensiv konsumiert wurden.

Können Psychologen bei der Pornosucht helfen?

Nicht immer reicht der Verzicht auf die Inhalte, der ein hohes Maß an Selbstdisziplin voraussetzt, für die Überwindung der negativen Folgen aus.

Deshalb kann auch die Beratung durch einen Psycho- oder Sexualtherapeuten ein geeigneter Weg sein, um Fortschritte zu machen. Natürlich setzt dieser Lösungsweg zunächst die mutige Entscheidung voraus, sich mit dem Problem einem Experten anzuvertrauen und über die persönlichen Probleme zu reden.

Dabei kann auch bereits die offene Kommunikation mit dem Sexualpartner helfen. Auch das ausleben bestimmter Phantasien aus der Pornografie kann hilfreich sein. Wichtig wäre dabei allerdings nicht erneut auf die Pornografie zurückzugreifen und nach dem ausleben der Phantasie schon wieder nach neuen Reizen zu suchen.

Können Potenzmittel helfen?

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Potenzmittel können helfen leichter eine Erektion aufzubauen. Dadurch können bereits kleinere Reize genügen um wieder ausreichend Stehvermögen zu zeigen. Eine dauerhafte Lösung ist dies allerdings nicht.

Wenn die Lust auf Sex grundlegend besteht, können Potenzmittel helfen die Durchblutung zum Schwellkörper zu verbessern. Außerdem sorgen diese PDE-5-Hemmer dazu, dass die Erektion auch länger aufrecht erhalten werden kann.

Dies kann ein entscheidender Faktor sein, wenn die Lust hierbei sonst nachlassen würde. Zur Auswahl stehen sowohl rezeptfreie Potenzmittel als auch verschreibungspflichtige Mittel wie Viagra oder Cialis. Um diese Mittel kaufen zu dürfen, ist ein Rezept vom Arzt erforderlich, welches vom Urologen oder über einer Online Diagnose ausgestellt werden kann.

Diese Potenzmittel sollten allerdings nur als Überbrückung dienen, damit mehr Selbstbewusstsein aufgebaut werden kann. Wenn keine Lust auf Sex generiert werden kann, helfen auch diese Mittel nur wenig. Eine Erektion kann allerdings schneller erzeugt werden, wodurch bereits kleinere Reize genügen könnten um die Erektion auszubilden.

Fazit: Bei Problemen = Pornokonsum einschränken

Bei den ersten Anzeichen von sinkender Lust auf echten Geschlechtsverkehr, sollte der Pornokonsum eingeschränkt werden. 

In einer aktiven Partnerschaft ist dieses Problem umso deutlicher zu bemerken. Die Lust auf die eigene Partnerin nimmt ab, selbst wenn diese sich nicht verändert haben sollte.

Grund dafür ist die Reizüberflutung aus der Pornografie, welche dazu sorgt dass immer wieder neue Phantasien und Reize befriedigt werden müssen. Nur durch eine Erhöhung kann das Glücksgefühl erzeugt und befriedigt werden. Männer leiden deutlich häufiger unter diesen Problem als Frauen.
Die Lösung ist denkbar einfach: Der Pornokonsum sollte eingeschränkt werden. So lange bis die natürlichen Reize wieder genügen um eine Erektion aufzubauen und ein befriedigendes Sexualleben führen zu können.

Potenzmittel können in der Zwischenzeit die Probleme überbrücken und dabei helfen leichter eine Erektion aufzubauen, sobald schon kleine Signale Anlass dazu geben, eine Erektion aufbauen zu wollen. Eine dauerhafte Lösung stellen diese Mittel bei psychologisch bedingter Impotenz allerdings nicht dar.

Quellen, wissenschaftliche Studien & Literatur:
  1. Is Pornography Use Associated with Sexual Difficulties and Dysfunctions among Younger Heterosexual Men? – Ivan Landripet PhD Aleksandar Štulhofer PhD – doi.org
  2. Is Internet Pornography Causing Sexual Dysfunctions? A Review with Clinical Reports – Behav. Sci. 2016, 6(3), 17;  Received: 10 May 2016 / Revised: 29 July 2016 / Accepted: 2 August 2016 / Published: 5 August 2016 – doi.org
  3. Porn-induced erectile dysfunction: How does it happen? medicalnewstoday.com

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