Autor: Torsten KleinAktualisiert: 6. August 2020 | Lesezeit: 6 Minuten

SKAT und MUSE sind lokale Potenzmittel, welche direkt per Spritze (SKAT) oder Stäbchen (MUSE) am Penis angewendet werden. Diese Behandlungsmethode ist empfehlenswert, wenn die Nerven geschädigt sind und oral einzunehmende Potenzmittel nicht wirken können.

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Was ist Skat?
Bei der Behandlungsmethode Schwellkörper-Autoinjektionstherapie oder abgekürzt SKAT genannt, wird ein Medikament direkt in den Schwellkörper des Penis injiziert.
Wie funktioniert die Spritze in den Penis?
Die Wirkstoffe, die mit der Injektionsspritze verabreicht werden, lassen die glatte Muskulatur des Penis erschlaffen. Die Hohlräume innerhalb des Penis werden größer und erlauben eine bessere Durchblutung, die wiederum eine Erektion ermöglicht.
Für welche Patienten eignet sich die Injektion?
Die Spritze eignet sich für alle Männer, die Erektionsstörungen haben und bei denen PDE-5-Hemmer keine Wirkung zeigen. Die Spritze eignet sich beispielsweise, wenn das Nervensystem gestört ist und PDE-5-Hemmer keine Wirkung zeigen.
Ab wann und wie lange wirkt SKAT?
Die Wirkung beginnt innerhalb von 10 Minuten und hält bis zu 60 Minuten an.
Ist die Spritze schmerzhaft?
In der Regel empfindet der Betroffene keine Schmerzen, da die Injektion mit einer sehr dünnen Nadel erfolgt. Allerdings zählen Schmerzen zu den möglichen Nebenwirkungen.
Was ist die Alternative MUSE?
Bei MUSE (Medicated Urethral System for Erection) handelt es sich um ein Stäbchen welches direkt in die Harnröhre eingeführt wird.

Zurzeit sind vier zugelassene Medikament auf dem Markt, die als Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) benutzt werden können.

  • Caverject
  • Caverject Impuls
  • Viridal
  • Androskat

Wir erklären im Artikel die Schwellkörper-Injektionstherapie etwas genauer. Außerdem nennen wir die Vorteile & Nachteile von SKAT & MUSE gegenüber der PDE-5-Hemmer.

Die Schwellkörper-Injektionstherapie

Diese Form der Behandlung fand in den 1980er Jahren erstmals ihre Anwendung und erwies sich als sehr wirksam zur Behandlung der erektilen Dysfunktion.

Die Medikamente in der Spritze entfalten ihre Wirkung nur dann, wenn Nervenbahnen gestört sind, wie das zum Beispiel bei einer Querschnittlähmung der Fall ist. Der Wirkstoff wird mit einer sehr dünnen Nadel in den Penisschwellkörper injiziert. Innerhalb von zehn bis 15 Minuten danach kommt es zu einer Erektion, die etwa 60 Minuten anhalten kann. Somit ist es empfehlenswert, die Anwendung unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr durchzuführen.

Wirkungsweise:

  • Die Wirkung wird durch den körpereigenen Botenstoff Alprostadil (Prostaglandin E1) verursacht.
  • Dieser Botenstoff lässt die Muskelzellen der Penisarterien erschlaffen.
  • Dadurch erweitern sich die Blutgefäße und die Durchblutung des Schwellkörpers wird erhöht, was zu einer Erektion führt.
Hinweis: Diese Medikamente wirken auch, wenn das Nervensystem geschädigt ist.

Vorteile & Nachteile von SKAT & MUSE

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Skat hat für den Betroffenen gewisse Vorteile, aber auch Nachteile.

Männer, bei denen keine Schädigung des Nervensystems vorliegt, sollten ihre Erektionsstörungen zuerst mit oral einzunehmenden PDE-5-Hemmern behandeln, weil diese viel einfacher anzuwenden sind.

Die PDE-5-Hemmer haben zudem eine längere Wirkungsdauer und sind günstiger als SKAT oder MUSE. Wenn die PDE-5-Hemmer allerdings nicht wirken, ist die Injektion eine gute Lösung.

Vorteile von SKAT & MUSE:

  • Die Wirkung erfolgt innerhalb etwa 10 Minuten.
  • Verfügt über eine sehr hohe Erfolgsquote.
  • Injektionen wirken auch, wenn das Nervensystem geschädigt ist.

Nachteile von SKAT & MUSE:

  • Anfangs schwierig, die richtige Dosierung zu finden.
  • Verlängerte, schmerzhafte Erektionen sind möglich.
  • An der Einstichstelle können Blutergüsse oder Knotenbildungen auftreten (SKAT).
  • Die Behandlung wird häufig aufgrund von Schmerzen abgebrochen (SKAT).

Nebenwirkungen von SKAT & MUSE

Wie bei anderen Medikamenten auch kann es auch bei SKAT oder MUSE zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen.

Die Spritze in den Penis ist für viele Männer eine große Überwindung, auch weil gefährliche Nebenwirkungen befürchtet werden. Wir die Anwendung allerdings korrekt durchgeführt, gibt es teilweise sogar geringere Nebenwirkungen als bei PDE-5-Hemmern wie Viagra oder Cialis.

Zu einer der bekanntesten Nebenwirkungen zählt eine langanhaltende Erektion, was teilweise erwünscht ist, allerdings durch den Samenerguss auch wieder beendet werden sollte. Ist dies nicht der Fall oder ist die Erektion sogar schmerzhaft, gilt es sofort einen Arzt oder Mediziner aufzusuchen.

Bekannte Nebenwirkungen durch falsche Handhabung sind:

  • Bildung von Knoten & Hämatome an den Einstichstellen (SKAT)
  • Dadurch entstehende schmerzen

Im Folgenden erklären wir genau, wie diese Nebenwirkungen entstehen und was dagegen getan werden kann.

Vier Stunden anhaltende Dauererektion?

Erektionen, die sehr lange anhalten, können das Innere des Schwellkörpers beschädigen. Hält die Erektion über vier stunden an, sollten Sie sofort einen Arzt konsultieren. Es empfiehlt sich, sich direkt in eine urologische Klinik zu begeben.

Eine lang anhaltende Erektion kann auftreten, wenn die Dosierung zu hoch gewählt wurde. Daher sollten Patienten immer mit einer geringen Dosis beginnen und diese langsam erhöhen, bis die gewünschte Wirkung erreicht ist.

Bildung von Knoten an den Einstichstellen?

Um zu verhindern, dass sich durch SKAT an den Einstichstellen Knoten bilden, sollten die Einstichstelle ständig gewechselt werden. Idealerweise sollten Männern sich die Einstichstelle aufschreiben und beim nächsten Mal eine andere wählen.

Mögliche Einstichstellen sind:

  • auf der rechten und linken Seite des Penis,
  • in der Nähe des Körpers,
  • auf halber Länge des Penis,
  • an 2/3 der Penislänge
Um stärkere Blutungen zu vermeiden, sollten Sie mit einem Alkoholtupfer drei bis fünf Minuten lang Druck auf die Einstichstelle ausüben.

Hämatome (Blutergüsse) am Penis?

Kleine Hämatome (Blutergüsse) sind nichts ungewöhnliches bei einer Injektion von SKAT in den Penis. Diese heilen meist in wenigen Tagen wieder ab. Sie entstehen, wenn beim Einstechen der Nadel eine Vene getroffen wurde.

Auch in diesem Fall kann Druck mit einem Alkoholtupfer auf die Einstichstelle hilfreich sein, um die Bildung von Hämatomen zu verringern.

Schmerzen und Spannungsgefühle?

Die Betroffenen nehmen vor allem am Anfang der Behandlung leichte Spannungsgefühle wahr. Einige empfinden auch Schmerzen, selbst wenn keine Hämatome entstehen. Das Schmerzempfinden fällt allerdings von Mensch zu Mensch unterschiedlich intensiv aus.

Oft führen starke Schmerzen zum Abbruch der Behandlung. Damit das nicht geschieht, möchten wir im folgenden ein paar Ratschläge geben, wie mit den Schmerzen umgegangen werden kann oder diese komplett vermieden werden können.

Tipps und Tricks gegen Schmerzen bei SKAT

Schmerzen zu Beginn
Erfahrungsberichte mit SKAT haben gezeigt, dass die Schmerzen nach 5 bis 10 Anwendungen deutlich nachlassen. Es sollte daher versucht werden, die anfängliche Zeit der Schmerzen zu überstehen, da diese häufig nach mehreren Behandlungen nachlassen.
Dosis verringern
Die Erfahrungen mit SKAT haben auch gezeigt, dass mit einer anfänglichen geringeren Dosis deutlich weniger schmerzen empfunden werden. Eine zu hohe Dosis kann eine zu starke Erektion erzeugen wodurch auch ein starkes Spannungsgefühl als schmerzhaft empfunden werden kann.
Manche Patienten fügen dem Inhalt der SKAT auch ein Schmerzmittel hinzu. Um diese zu tun, werden allerdings Kenntnisse über die Wirkstoffe und mit dem sterilen Umgang mit den Spritzen vorausgesetzt. Unerfahrene Anwender sollten darauf dringend verzichten.

Wirkstoff wechseln

Auch ein anderer Wirkstoff der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie kann hilfreich sein.

Ideal ist eine Kombination aus den Wirkstoffen Papaverin und Phentolamin, die in dem Medikament Androskat enthalten sind. Benutzer dieses Medikamentes berichten über deutlich weniger Schmerzen. Anderseits wird bei Androskat auch häufiger über eine lang anhaltende Erektion berichtet, die jedoch durch geringere Dosierung verhindert werden kann.

Sind die Schmerzen bei der SKAT Spritze dennoch zu stark, wird häufig ein Wechsel auf eine andere Behandlungsmethode, dem Stäbchen (MUSE) empfohlen.

Stäbchen (MUSE) anstatt Spritze (SKAT)

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Als Alternative zu SKAT bietet sich MUSE (Medicated Urethral System for Erection) an. Bei MUSE handelt es sich um ein Potenzstäbchen, das ebenfalls lokal angewendet wird.

Der Wirkstoff Alpostadil wird dabei als Mikro-Tablette mit einem Applikator in die Harnröhre eingeführt. Der Wirkstoff setzt dabei ebenfalls nach nur 5 bis 10 Minuten sehr schnell ein.

Allerdings ist die Erfolgsquote bei dieser Behandlung niedriger.

MUSE (Medicated Urethral System for Erection)

Für die Entwicklung und den Vertrieb des Arzneimittels MUSE ist MEDA Pharma verantwortlich.

Der Wirkstoff in Form einer sehr kleinen Tablette wird mit einem Applikator wenige Zentimeter in die Harnröhre eingeführt. Der Stempel des Applikators wird dann betätigt und das Medikament gelangt durch den Druck in die Harnröhre.

Danach sollte der Penis etwa 10 Sekunden lang zwischen den Handflächen gerollt werden, damit der Wirkstoff sich gleichmäßig in der Harnröhre verteilt.

Auf der einen Seite kostet die Behandlung mit MUSE einige Patienten Überwindung, anderseits ist die Anwendung angenehmer, da bei MUSE keine direkte Injektion erfolgen muss. Mit etwas Übung und Erfahrung muss der Anwender nicht befürchten, sich mit dem Applikator Verletzungen in der Harnröhre zuzufügen. Für die meisten Patienten stellt die Anwendung nach etwas Übung kein Problem mehr dar.

Spritze & Stäbchen in den Penis dienen als Alternative

Seit dem es die oralen PDE-5-Hemmer wie Viagra oder Cialis gibt, werden SKAT & MUSE nur noch selten genutzt.

Diese Anwendung dient als Alternative wenn das Nervensystem geschädigt ist und somit orale Tabletten keine Wirkung erzeugen können.

Auch wenn gar keine sexuelle Lust empfunden wird kann mittels SKAT oder MUSE eine Erektion erzeugt werden.

Artikelempfehlung für PDE-5-Hemmer:

Quellen, wissenschaftliche Studien & Literatur:
  1. Erektile Dysfunktion Erst fragen, dann verordnen – Ausgabe 24/2018 | pharmazeutische-zeitung.de
  2. Erektionsstörungen (2/2): Therapie mit Medikamenten, Injektionen oder Operationen | urologielehrbuch.de
  3. Intracavernous injections: Past, present, and future | link.springer.com
  4. Long-term efficacy and compliance of MUSE for erectile dysfunction following radical prostatectomy: SHIM (IIEF-5) analysis | ncbi.nlm.nih.gov
  5. Current status of local penile therapy | ncbi.nlm.nih.gov


Fotos: Dmitri Ma, Eskymaks, Lijphoto, Andrey_Popov, Dmytro Tyshchenko, Freedom my wing | Shutterstock.com

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