Autor: Torsten KleinAktualisiert: 21. Januar 2021 | Lesezeit: 4 Minuten

Die Spanische Fliege (Cantharidin) als Potenzmittel zu nutzen ist kein guter Rat. Beim heutigen Stand der Medizin wird der Wirkstoff der Spanischen Fliege von keinem Arzt empfohlen werden.

Wir klären über Cantharidin als Potenzmittel (besser bekannt als Spanische Fliege) und dessen Gefahren auf. Alternativen zur spanischen Fliege sind klinisch geprüft und deutlich wirkungsvoller.

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Was ist die spanische Fliege?

Heute ist Naturmedizin sehr angesagt. Allerdings sind die Wirkungen von natürlichen Potenzmitteln oft zweifelhaft. Dafür bietet die Spanische Fliege ein gutes Beispiel. Mit einem Sekret, das eine hohe Konzentration von Cantharidin aufweist, wehrt sie ihre Feine ab.

In Verbindung mit der Spanischen Fliege sind allerdings einige Irrtümer entstanden:

Ölkäfer anstatt Fliege:
Bei der Spanischen Fliege handelt es sich nicht wirklich um eine Fliege, sondern um einen Ölkäfer, der einen grün-metallischen Schimmer hat. Er ist 9 bis 21 Millimeter lang und war, bevor das Klima anfing, sich zu ändern, in Südeuropa heimisch. Mittlerweile gibt es in auch in Mitteleuropa.
Anwendungsgebiete nicht nur als Potenzmittel:
Cantharidin in Pulverform diente in der Medizin zur Behandlung von Epilepsie, Schlangenbissen, Rheuma und Wassersucht und sogar gegen Krebs, Lepra und Tollwut. Durch seine Anwendung als harntreibendes Mittel erhielt der Ölkäfer den Namen Pissekäfer. Cantharidin ist nicht nur als Potenzmittel bekannt

Von dem Naturforscher Linnaeus erhielt der schimmernde Käfer den wissenschaftlichen Namen Lytta vesicatoria. Er ist auch unter den Namen Blasenkäfer oder Pflasterkäfer bekannt, weil er in Salben und Pflastern zur Hautreiztherapie und zur Behandlung von Warzen eingesetzt wird.

Allerdings ist die Spanische Fliege als Potenzmittel bekannter als die aufgezählten Behandlungsmöglichkeiten. Die Römer benutzten bereits die Spanische Fliege in pulverisierter Form, um ihre Orgien anzuheizen.

Spanische Fliege: Mehr Gefahr als Freude

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Vorsicht: Von der Fliege wird der Wirkstoff zur Abwehr ihrer Feinde benutzt!

Um etwaige Fressfeinde abzuwehren, sondert die Spanische Fliege eine übel riechende Flüssigkeit ab, in der Cantharidin in hoch konzentrierter Form enthalten ist.

Der Wirkstoff ist schädlich für die Haut und die Schleimhäute von Mensch und Tier. Durch die Reizung von Harnblase und Harnröhre verursacht er lang anhaltende Erektionen. Diese Tatsache machte die Spanische Fliege zu einem wichtigen geschichtlichen Vorläufer der heute bekannten Potenzmittel. Doch die Benutzer waren in großer Gefahr.

Analyse des Risikos – die Pastillen-Dose des Marquis de Sade

Cantharidin setzte sich in Europa im 18. Jahrhundert durch. Die aus ihm hergestellten Pastillen wurden „Pastilles a la Richelieu“ genannt. Sie waren immer im Gepäck des Marquis de Sade enthalten.

Er vergiftete damit mehrere Prostituierte und wurde dafür im Jahr 1772 zum Tode verurteilt. Selbst auf deutschen Wochenmärkten konnte die Spanische Fliege im 19. Jahrhundert gekauft werden. Erst im 20. Jahrhundert wurde man sich ihrer Risiken bewusst. Es ist nicht abzuschätzen, wie viele Todesopfer sie bis heute verursacht hat.

Cantharidin im Rezeptbuch der Henker

Als starkes Reizgift ruft Cantharidin Blasen und Nekrosen auf der Haut hervor, verätzt Magen und Darm, greift Nieren und Leber an, schädigt das Gewebe der Schleimhäute, verlangsamt die Gerinnung des Blutes und führt zum Versagen von Nieren und Kreislauf bis hin zum Tod.

Das passiert nicht zwangsläufig, aber die Grenze zur tödlichen Wirkung fängt beim Menschen schon bei 30 Milligramm an. Daher hat die Spanische Fliege eine lange Tradition als Mittel für Hinrichtungen und als Mordwaffe. 1Poisoning from “Spanish fly” (cantharidin) David J Karras, MD Susan E Farrell, MD Richard A Harrigan, MD Frederick M Henretig, MD Laura Gealt, MSN – ajemjournal.com

Präparate mit Spanischer Fliege

Obwohl die Wirkungen und Risiken von Cantharidin mehr als fragwürdig sind, gibt es einige Präparate unter den Namen der Spanischen Fliege im Handel.

Sie werden als Tropfen, Salben oder Dragees für Männer und Frauen angeboten. In Wahrheit allerdings enthalten die meisten dieser Präparate keine Spur von Cantharidin, sondern weniger gefährliche Wirkstoffe, die eine Lust steigernde Wirkung haben sollen, wie beispielsweise Ginseng, Maca, Yamswurzel oder Potenzholz.

Dabei kommt den Herstellern der ungeschützte Name der Spanischen Fliege zugute. Denn es ist offensichtlich, dass sich das Bewusstsein der Menschen ausschließlich auf die Erektion fördernde Wirkung der Spanischen Fliege konzentriert.

Alternativen zu Cantharidin

Alternativ zur spanische Fliege kommen klinisch getestete Potenzmittel wie Viagra oder Cialis in Frage. Diese PDE-5-Hemmer wirken zuverlässig und können mittlerweile auch über das Internet verschrieben werden.

Anstatt sich der Gefahr eines nicht zugelassenen Potenzmittels auszusetzen, sollten Männer die unter Impotenz leiden lieber zugelassen Arzneimittel vertrauen.

Fazit: Cantharidin Potenzmittel – Wirkungslos? Gefährlich?

Präparate, die heute unter dem Namen Spanische Fliege verkauft werden, sind wirkungslos. Sie enthalten entweder gar kein Cantharidin oder nur ganz geringe Spuren.

Das ist allerdings eher ein Glücksfall, weil die Grenze zwischen einer Dosierung, die eine ausreichende Wirkung erzielt und der gefährlichen oder sogar tödlichen Dosierung sehr klein ist. Sie sollten daher unbedingt von selbst erstellten Rezepten oder Überdosierungen absehen. Es gibt heute verlässlichere, schonendere und weniger gefährliche Mittel zur Behebung von Erektionsstörungen.

Grundsätzlich sollte bei einer erektilen Dysfunktion immer zuerst ein erfahrener Arzt aufgesucht werden. Er kann Sie über eine möglichst schnelle Behandlung der Erektionsstörung beraten.

Auch eine Online Diagnose ist für Potenzmittel möglich. Nach dem das Rezept über das Internet ausgestellt worden ist, werden die Mittel per Eilversand an den Patienten geschickt.

Potenzmittel mit Online Diagnose
Quellen, wissenschaftliche Studien & Literatur:
  1. Poisoning from “Spanish fly” (cantharidin) David J Karras, MD Susan E Farrell, MD Richard A Harrigan, MD Frederick M Henretig, MD Laura Gealt, MSN – ajemjournal.com
  2. Love Bugs? A world view of insects as aphrodisiacs, with special reference to Spanish fly – D. A. Prischmann, C. A. Sheppard American Entomologist, Volume 48, Issue 4, Winter 2002, Pages 208–220, doi.org