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Homosexuelle Zwangsgedanken sind eine Form der Zwangsstörung, bei der sich betroffene Männern und Frauen zwanghaft mit der Frage beschäftigen, ob sie homosexuell sind oder nicht.

Menschen, die an homosexuellen Zwangsgedanken leiden, werden ständig von der Frage nach der eigenen Sexualität verfolgt.

Während tatsächlich homosexuelle Männer oder auch Frauen Liebe und sexuelle Lust für das gleiche Geschlecht empfinden, quälen Menschen mit homosexuellen Zwangsgedanken die Angst, Sorge und Ungewissheit bezüglich der eigenen sexuellen Identität.

Die Fragen „Bin ich schwul/ lesbisch oder nicht?“, „Stimmt etwas mit mir nicht?“ beschäftigen die Betroffenen wiederholt. Homosexuelle Zwangsgedanken haben ausschließlich etwas mit der eigenen Psyche zu tun und sind von Homosexualität abzugrenzen.

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Wofür steht HOCD? Was bedeutet das?

Die Abkürzung HOCD steht für Homosexual Obsessive Compulsive Disorder und bezeichnet eine psychische Erkrankung aus dem Bereich der Zwangsstörungen und Sexualtherapie.

Im Gegensatz zur echten Homosexualität handelt es sich bei homosexuellen Zwangsgedanken um eine psychisch bedingte Störung, die anhand der Kriterien der Weltgesundheitsorganisation als solche diagnostiziert wird.

Ausschlaggebend sind dabei folgende Aspekte:

  • Der Betroffene erlebt die Zwangsgedanken als eigene Gedanken.
  • Der Betroffene wehrt sich innerlich gegen diese Gedanken.
  • Der Betroffene empfindet die Zwangsgedanken als störend und unangenehm und nicht als lustvoll.
  • Der Betroffene beschäftigt sich mindestens 2 Wochen lang an den meisten Tagen mit den Zwangsgedanken.

In einigen Fällen kommen zwanghafte Verhaltensweisen hinzu, von denen sich Patienten eine Antwort auf ihre Frage der eigenen Sexualität erhoffen. Dies können beispielsweise Selbsttests sein, bei denen sich die betroffenen Männer und Frauen mit homosexuellen pornografischen Inhalten beschäftigen, um zu überprüfen, ob diese eine sexuelle Reaktion bei ihnen auslösen.

Unterschied zwischen Zwangsgedanken und echter Homosexualität

Während echte Homosexualität etwas Natürliches ist und als lustvoll erlebt wird, sind homosexuelle Zwangsgedanken qualvoll und besorgniserregend für Betroffene. Daher spricht man in der Sexualtherapie von einer zwanghaften Störung.

Homosexuelle Zwangsgedanken werden als Angst empfunden.

Anzeichen für homosexuelle Zwangsgedanken sind:

Ständige sorgen:
Betroffene denken unkontrolliert, wiederholt und intensiv über die Frage der eigenen sexuellen Identität nach. Die Frage wird als Sorge empfunden.
Suche nach Bestätigung:
Betroffene von homosexuellen Zwangsgedanken haben wiederholt das Bedürfnis, sich selbst zu bestätigen, dass sie nicht homosexuell sind. Dies geschieht häufig in Form von Selbsttests oder in dem nach „Bin ich schwul?“ „Woher weiss ich das sich schwul bin?“ gegoogelt wird. Anschließend wird sich selbst beruhigt und bestätigt.
Ängste:
Von HOCD betroffene haben Angst davor, andere könnten sie aufgrund von bestimmten Verhaltensweisen für homosexuell halten. Sie vermeiden es mit größter Sorgfalt, solche ihrer Meinung nach „typischen“ Verhaltensweisen zu zeigen. Dies führt zu einem bestimmten Korrekturverhalten (nächster Punkt).
Korrekturverhalten:
Betroffene „korrigieren“ sich, wenn sie der Meinung sind, sie hätten sich „typisch“ für Homosexuelle verhalten. Dies kommt beispielsweise bei Männern vor, wenn sie eine in ihren Augen feminine Bewegung gemacht haben. Diese wird dann auf „männliche Art und Weise“ wiederholt und somit korrigiert. Beispielsweise wenn die Beine beim Sitzen gekreuzt werden. Schnell wird dieses Verhalten dann korrigiert und es wird zum Beispiel eine Breitbeinige Sitzposition eingenommen.
Meidverhalten:
Viele Betroffene vermeiden den Kontakt zu homosexuellen Menschen aus Angst, dies könnte eigene Homosexualität hervorrufen. Dies gilt auch für den Konsum von gleichgeschlechtliche Pornografie oder Filme mit homosexuellen Charakteren oder Handlungen.

Weitere mögliche Anzeichen für homosexuelle Zwangsgedanken sind:

  • Wenn homosexuelle Fantasien als beängstigend und in keinster Weise als lustvoll empfunden werden.
  • Wenn oft auch unter anderen Zwängen gelitten wird, oder bereits andere Zwangsverhalten erlitten worden sind.

Anzeichen für echte Homosexualität sind:

  • Homosexuelle Menschen empfinden sexuelle Anziehung und Zuneigung gegenüber dem gleichen Geschlecht.
  • Die Zuneigung und die sexuellen Fantasien in Bezug auf gleichgeschlechtliche Partner werden als lustvoll empfunden.

Können homosexuelle Zwangsgedanken Impotent machen?

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Ja, sexuelle Zwangsstörungen jeglicher Art können zu Erektionsstörungen führen.

Sind die Gedanken zu sehr mit der sexuelle Orientierung beschäftigt, kann die sexuelle Lust darunter leiden. Gewisse Reize können nicht mehr als Lust empfunden werden und somit nicht über das Gehirn an die entsprechenden Nervenzellen weitergeleitet werden.

Eine Erektionsstörung durch sexuelle Zwangsgedanken ist daher nicht abwegig und kann nur durch offene Kommunikation & Sexualtherapie behandelt werden.

Zwar können auch Potenzmittel wie Viagra oder Cialis dazu beitragen dass schon geringere Reize für eine Erektion genügen, doch eine Lösung des Problems stellen diese Hilfsmittel nicht dar.

Was führt zu homosexuellen Zwangsgedanken?

Die Ursache für homosexuelle Zwangsgedanken lässt sich ohne Therapie nicht eindeutig bestimmen.

Zwänge oder Zwangsgedanken treten im Allgemeinen selten allein auf und sind meist eine Begleiterscheinung von depressiven Verstimmungen oder anderen psychischen Erkrankungen.

Bei depressiven Episoden fühlen sich Patienten oft ohne konkrete Gründe schlecht. Sie haben einen negative Einstellung zum Leben und neigen dazu, alles „schwarz zu sehen“. Da sie selbst die genauen Gründe für ihr Empfinden nicht erkennen, entwickeln viele Patienten Zwänge in Form von Gedanken, die ihnen scheinbar einen Grund für ihr negatives Denken liefern.

Männer oder Frauen, die homosexuelle Zwangsgedanken als Begleitsymptom einer depressiven Episode haben, denken demnach, dass sie sich generell schlecht im Leben fühlen, weil sie sich ihrer Sexualität nicht sicher sind. Der Zwangsgedanke wird in den Augen der Betroffenen also zum Grund für ihre Probleme.

Homosexuelle Zwangsgedanken nach Trennung?

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Homosexuelle Zwangsgedanken können auch als Fluchtgedanken nach einer negativen Erfahrung im Leben fungieren, beispielsweise nach der Trennung vom Partner oder nach einem Arbeitsplatzverlust.

Um sich nicht mit dem eigentlichen Erlebnis oder Ereignis zu beschäftigen, flüchten sich Betroffene lieber in die Frage nach der eigenen sexuellen Identität. Möglicherweise sehen sie eine eventuelle Homosexualität auch als Grund für die gescheiterte Beziehung.

Homosexuelle Zwangsgedanken durch Drogen?

Auch genetisch bedingte Ursachen können zu homosexuellen Zwangsgedanken führen, wenn Patienten aufgrund ihrer Gene generell dazu neigen, Zwänge zu entwickeln. Zudem kommt es vor, dass Drogen- oder Alkoholmissbrauch homosexuelle Zwangsgedanken auslösen.

Können traumatische Erfahrungen zu HOCD führen?

Ja, traumatische Erfahrungen aus der Kindheit, die in Verbindung mit homosexuellem Missbrauch stehen, können Ursache für homosexuelle Zwangsgedanken sein.

Viele Patienten, die im Laufe ihres Lebens homosexuelle Zwangsgedanken entwickeln, wurden in ihrer Kindheit von gleichgeschlechtlichen Tätern missbraucht. Dabei kann es sich um Verwandte, Freunde oder Bekannte der Eltern, Lehrer oder um ältere Jugendliche gehandelt haben.

Der sexuelle Missbrauch kann bestanden haben aus dem Zwang zu sexuellen Handlungen mit oder in Anwesenheit der Person, aus dem Zwang zum gemeinsamen Betrachten pornografischer Inhalte (Fotos, Videos, Zeitschriften) oder aus dem Zwang zur Entblößung.

Kam es in einem Alter des Kindes zu solchen sexuellen Übergriffen, in dem es die Bedeutung von Sexualität noch nicht erfassen konnte, so ist es möglich, dass es die Erlebnisse nicht einordnen konnte. Die Empfindungen konnten von betroffenen Männern und Frauen als Kind also nicht gedeutet werden.

Wurde das, was ein Patient als Kind erlebt hat, nie aufgearbeitet, so kann es Jahre später dazu kommen, dass die unsicheren Gedanken von damals sich wieder Bahn brechen und in homosexuellen Zwangsgedanken enden.

Wie lassen sich homosexuelle Zwangsstörungen behandeln?

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Homosexuelle Zwangsgedanken lassen sich, wie viele Zwänge und Zwangskrankheiten, bei einer Therapie gut behandeln.

Um die richtige Form der Therapie zu wählen, muss sich der Therapeut bzw. der Psychologe zunächst auf die Suche nach der Ursache begeben. Hierzu geht er meist behutsam vor, da Sexualtherapie für viele Patienten ein unangenehmes Thema darstellt.

Patienten selbst sind meist nicht in der Lage dazu, die Ursache für ihre Zwangsgedanken zu benennen, daher bedarf es tiefenpsychologischer Gespräche.

In solchen erhält der Psychologe notwendige Informationen über das Leben und die Erfahrungen des Patienten, um bestimmen zu können, wodurch die Zwangsgedanken bedingt sind.

Es können auch psychoanalytische Verfahren genutzt werden, wie Traumdeutung oder freie Assoziationen, bei denen der Patient seine Gedanken zu bestimmten Fragen frei mitteilt. Der Therapeut kann anhand dessen, was der Patient mit gewissen Themen assoziiert, erkennen, worin die Ursachen seiner Zwangsstörung liegen.

Behandlung der homosexuellen Zwangsgedanken über Verhaltenstherapie

Liegt eine psychische Erkrankung wie eine depressive Episode zugrunde, so wird in der Regel zu verhaltenstherapeutischen Maßnahmen gegriffen.

Bei der Verhaltenstherapie zur Behandlung von Zwangsgedanken geht es primär darum, die zwanghaften Gedanken, die ein Patient sich mit der Zeit selbst beigebracht hat, durch andere positive Gedanken zu ersetzen.

Zwänge und zwanghafte Gedanken kommen nicht einfach so, sie wurden erlernt. Genauso wie das menschliche Gehirn also Dinge erlernen kann, kann es sie auch wieder verlernen. Hier liegt der Ansatz der Verhaltenstherapie.

Fälschlicherweise nehmen viele Patienten an, sie müssten sich dazu zwingen, gewisse Gedanken nicht mehr zu haben – doch genau dort liegt der Fehler.

Es ist nicht möglich, bewusst an etwas NICHT zu denken, ohne daran zu denken.

Während einer Verhaltenstherapie lernen Patienten also Techniken, um mit den quälenden Zwangsgedanken umzugehen, diese als solche zu erkennen und anzunehmen. Ziel dabei ist es letztlich, die negativen Gedanken durch Gedanken zu verdrängen, die das eigene Selbstbewusstsein stärken.

Behandlung bei Missbrauchserlebnissen

Ist eine traumatische Erfahrung in Form von homosexuellen Übergriffen in der Kindheit Ursache für die homosexuellen Zwangsgedanken, so geht es bei der Therapie zunächst darum, diese Erlebnisse aufzuarbeiten.

Bei traumatischen Ursachen lernt der Patient erst mal, die Ereignisse einzuordnen und bewusst als traumatische Ereignisse zu erkennen.

Ist dieser wichtige Schritt getan, sollen mögliche Auslöser für das erneute Aufkommen der früheren Ungewissheit gefunden werden. Patienten lernen bestimmte Techniken, wie sie diese Auslöser identifizieren können und wie sie mit einer solchen Konfrontation umgehen.

Je nach Schwere des Traumas nutzt der Therapeut weitere Wege, um den Patienten bei der Verarbeitung zu unterstützen. Die schonende Traumatherapie dient dazu, Patienten mit schweren traumatischen Erfahrungen möglichst schonend an die Aufarbeitung heranzuführen, um eine zu hohe emotionale Belastung zu vermeiden.

Bei psychodynamischen Therapiemaßnahmen geht es darum, zu erkennen, inwieweit das Trauma die Werte des Patienten beeinflusst haben. Häufig kommen letztlich auch verhaltenstherapeutische Maßnahmen zum Einsatz, um die Zwangsgedanken allmählich durch positive Gedanken im Kopf zu ersetzen.

Die richtige Einordnung von homosexuellen Zwangsgedanken

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Obwohl homosexuelle Zwangsgedanken eine recht häufige Form der Zwangsgedanken sind, werden sie bisher noch nicht sehr oft als solche erkannt.

Dies liegt zum einen daran, dass viele Betroffene nicht wissen, dass es sich um eine psychisch bedingte Störung handelt. Schließlich beschäftigen sich auch viele Homosexuelle eine Zeit lang mit der Frage nach der eigenen sexuellen Identität.

Zum anderen werden bei psychotherapeutischen Ausbildungen die Themen der Sexualtherapie häufig nicht so detailliert behandelt, so dass es für viele Therapeuten eine Herausforderung darstellt, diese spezifische Form von Zwangsgedanken zu erkennen.

Männer leiden statistisch gesehen häufiger an homosexuellen Zwangsgedanken als Frauen.
Quellen, wissenschaftliche Studien & Literatur:
  1. HOCD: Homosexual OCD Symptoms, Treatments, Gay OCD | anxietyhouse.com.au
  2. Homosexual OCD Symptoms and HOCD Treatment Options | enterforanxietydisorders.com
  3. 12 Signs That You Might Have Sexual Orientation OCD | madeofmillions.com


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