Autor: Torsten KleinAktualisiert: 18. August 2020 | Lesezeit: 5 Minuten

Masturbation ist eindeutig gesund, doch zu häufiges masturbieren (mehr als 5 mal die Woche) kann für die Psyche ungesund werden. Körperlich schadet häufiges Masturbieren nicht.

Nahezu alle Männer tun es und das auch regelmäßig. Dennoch ist Masturbieren bei Männern noch immer ein Tabuthema. Nicht zuletzt aus diesem Grund stellen sich viele Männer die Frage, ob Masturbieren gesund ist, wie oft normal ist, und ob ständiges selbst Hand anlegen möglicherweise negative Auswirkungen auf die Potenz haben kann.

Wir klären im Artikel genauer auf, warum Masturbation gesund ist, aber welche Grenze nicht überschritten werden sollte.

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Ist Masturbieren gesund?

Laut einer Statistik geben 70 % der Männer an, mindestens einmal pro Woche zu masturbieren.1Häufigkeit sexueller Selbstbefriedigung von Männern | de.statista.com Knapp 50 % der befragten Personen onanieren sogar einmal bzw. mehrmals am Tag oder zu mindestens an jedem zweiten Tag. Aber ist Masturbieren überhaupt gesund?

Um die Antwort gleich vorweg zu nehmen: Ja, Masturbieren ist gesund!.

Neueste wissenschaftliche Studien belegen, dass Selbstbefriedigung einen positiven gesundheitlichen Effekt für Männer hat. So hat eine Studie der anerkannten Harvard-Universität in den USA ergeben, dass durch regelmäßiges Onanieren das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, deutlich gesenkt werden konnte.2Ejaculation Frequency and Risk of Prostate Cancer: Updated Results with an Additional Decade of Follow-up | doi.org

Prostatakrebs gehört laut dem Robert-Hoch-Institut zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern in Deutschland und stellt zudem die dritthäufigste Krebstodesursache bei Männern dar. Im Rahmen der erwähnten Harvard-Studie wurden deshalb mehr als 31.000 Männer zu deren Masturbationsverhalten sowie der Häufigkeit ihrer Ejakulationen befragt.

Das Ergebnis der Studie:
Die männlichen Testpersonen, die häufiger masturbierten (mehr als 21-mal pro Monat), erkrankten seltener an Prostatakrebs.

Darüber hinaus gehen Forscher davon aus, dass die Qualität und Anzahl der Spermien dann am besten sind, wenn der Mann alle 1 bis 3 Tage einen Orgasmus erlebt bzw. einen Samenerguss hat. Längere Intervalle sollen sich demnach sogar negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken können.

Onanieren ist gesund – Was passiert im Körper?

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Neben der physischen Gesundheit profitiert vor allen die Psyche, wenn der Mann regelmäßig selbst Hand anlegt. Selbstbefriedigung bedeutet Balsam für die Seele. Denn beim Masturbieren wird das Belohnungssystem im Gehirn entsprechend aktiviert, indem Neurotransmitter wie Dopamin und Serotonin ausgeschüttet werden.

Diese Botenstoffe werden umgangssprachlich auch als Glückshormone bezeichnet und sorgen für ein entspannendes Gefühl im Körper.

Was beim Masturbieren im menschlichen Organismus passiert:

Dopamin
Dopamin wird ausgeschüttet: Reduziert Stress.
Serotonin
Serotonin wird freigesetzt: Steigert das Wohlbefinden.
Endorphine
Endorphine werden ausgeschüttet: Kann Schmerzen (z.B. Kopfschmerzen) reduzieren.
Prolaktin
Prolaktin wird freigesetzt: Macht müde, weswegen man nach einem Orgasmus in der Regel besser einschlafen kann.
Oxytocin
„Kuschelhormon“ Oxytocin wird ausgeschüttet: Unterstützt ein Gefühl der Nähe sowie der Geborgenheit.

Maturbieren macht gesund und glücklich:

Bei der Selbstbefriedigung werden Neutransmitter und Endorphine freigesetzt. Diese sorgen für Entspannung. Bei Endorphinen handelt es sich um körpereigene Schmerzmittel, die Stress beseitigen und den sexuellen Höhepunkt zum Genuss werden lassen.

Dennoch: Die Masturbation sollte nicht übertrieben werden.

Vor allem zu häufiger Pornokonsum kann schnell in eine Sucht übergreifen. Wer zwanghaft onaniert und ständig auf der Suche nach einer neuen Dopamin-Ausschüttung ist, der kann schnell unglücklich werden. Die Masturbation sollte stets ein schöner Ausgleich sein, aber nicht zur Sucht werden, wodurch wichtigere Dinge im Alltag vernachlässigt werden.

Welche gesundheitlichen Vorteile hat Masturbieren?

Masturbation kann zu einigen gesundheitlichen Vorteilen führen. Wichtig ist auch hier wieder, dass keine Sucht nach Selbstbefriedigung entstehen sollte.

Unter häufiger Masturbation verstehen wir eine gesunde Menge welche etwa 5 mal Masturbation in der Woche entsprechen. Dies entspricht also einer fasst täglichen aber nicht zwanghaft täglichen oder sogar mehrfach täglichen Selbstbefriedigung.

Hilft Masturbation Stress abzubauen?

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Masturbation kann dazu helfen Stress abzubauen und sich danach gelassener zu fühlen. Auch wenn die Konzentration unter zu viel sexueller Phantasie leidet, kann Masturbation für Gedankenfreiheit sorgen. Häufig konzentrieren sich Männer nach der Masturbation wieder wichtigeren Dingen.

Kommt man beim Masturbieren zum Höhepunkt, wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet. Auf diese Weise wird der Cortisolgehalt (Cortisol = Stresshormon, das abbauende Stoffwechselvorgänge aktiviert und dem Körper auf diese Weise energiereiche Verbindungen zur Verfügung stellt) im Körper gesenkt, wodurch der Stresspegel sinkt.

Männer fühlen sich dadurch automatisch entspannter und gelassener. Auch bei Angstzuständen soll dieser Vorgang im Körper hilfreich sein.

Senkt Masturbation das Krebsrisiko?

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Masturbieren ist eine einfache Maßnahme, um das Risiko für Prostatakrebs zu reduzieren. Männer, die mindestens 21-mal pro Monat eine Ejakulation haben, können ihr Risiko an Prostatakrebs zu erkranken, möglicherweise um etwa 20 % senken.3Schützt Selbstbefriedigung vor Prostata-Krebs? | medizin-transparent.at

Auch wer an einer Prostataentzündung leidet, sollte regelmäßig masturbieren. Denn regelmäßige Ejakulationen fördern den Schleimabfluss aus der Prostata und können der Tendenz für Prostataentzündungen sogar entgegenwirken.

Verbessert oder verschlechtert Masturbation das Selbstwertgefühl?

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Sowohl als auch. Masturbation kann in ausreichender Menge für ein verbessertes Selbstwertgefühl sorgen. Wie schon beim Stressabbau kann auch das Selbstwertgefühl nach der Masturbation steigen. Männer fühlen sich in Ihrer Potenz bestätigt und die Gedanken können wieder auf andere wichtige Dinge im Leben gelegt werden.

Schwenkt die Masturbation allerdings zu einer Sucht um, kann es das Selbstwertgefühl mindern, wodurch sich Männer nach dem onanieren schlecht fühlen. Ein gesundes Maß an Masturbation kann durchaus dazu führen dass die ausgeschütteten Hormone als Befriedigend und Aufbauend wahrgenommen werden.

Masturbation hilft beim einschlafen

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Bei der Selbstbefriedigung werden die beiden Hormone Oxytocin und Prolaktin ausgeschüttet. Diese helfen dabei, vollkommen zu entspannen und innere Unruhen abzubauen.

Die Folge: Man(n) ist losgelöst, relaxt und kann besser einschlafen. Das gilt natürlich auch für Orgasmen, die durch Sex mit dem Partner ausgelöst werden. Dieses Phänomen ist besonders stark bei der Männerwelt ausgeprägt.

Masturbation trainiert die erektile Leistungsfähigkeit

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Wer sich selbstbefriedigt, trainiert die eigene Standfestigkeit. Durch gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur oder spezielle Techniken (z.B. Start-Stopp-Technik) lässt sich nicht nur die Ausdauer im Bett verbessern, sondern auch ein Orgasmus entsprechend hinauszuzögern.

Das Ergebnis sind bessere Erektionen und ein erfüllteres Sexualleben mit dem Partner. Auch dabei gilt es wieder, ein gesundes Maß der Dinge zu finden. Wer sich zwanghaft mehrfach täglich selbst befriedigt, wird vor allem psychologische Nachteile erfahren. Diese Nachteile können dann sogar zu Erektionsstörungen beim echten Geschlechtsverkehr sorgen, da nicht ausreichend stimulierende Signale für den Aufbau der Erektion vorhanden sind.

Wie viel Masturbation ist noch gesund?

Das Masturbationsverhalten ist von Mann zu Mann unterschiedlich und hängt sehr stark von der individuellen Lust ab.

Während manche Männer täglich den Drang verspüren, sich zu erleichtern, lassen es andere wiederum deutlich ruhiger angehen. Das persönliche Lustempfinden sowie das eigene körperliche Verlangen geben somit das richtige Tempo beim Masturbieren vor.

Als Mann sollte man demnach stets auf seinen eigenen Körper hören. Starre Regeln beim Masturbieren gibt es nicht. Um den optimalen gesundheitlichen Nutzen zu erzielen, kann man als grobe Faustregel definieren, dass ca. 5 pro Woche ideal sind.

Masturbation sollte jedoch keinesfalls wie Sport betrieben werden. Wer sich zu sehr unter Druck setzt, verhindert, dass die gewünschte positive Wirkung einsetzen kann. Zudem kann das Risiko für zwanghaftes Onanieren steigen.

Vorsicht bei zwanghaftem Onanieren

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Masturbieren ist zwar gesund, bemerkt man jedoch eine Form von Suchtverhalten, ist Vorsicht angebracht. Sobald Selbstbefriedigung zwanghaft wird und/ oder das eigene soziale und berufliche Leben negativ beeinflusst, ist Vorsicht geboten.

Häufig besteht dann nämlich ein Zusammenhang mit Pornosucht oder einer anderen psychisch bedingten Sexualstörung. In solchen Fällen sollte dringend ärztlicher bzw. psychotherapeutischer Rat eingeholt werden.

Fazit: Masturbieren ist häufig gesünder – als schädlich

Onanieren ohne Zwang ist weder schädlich, noch macht es impotent.

Im Gegenteil: Masturbieren hat gesundheitsfördernde Effekte auf Körper und Geist. Selbstbefriedigung unterstützt beim Stressabbau, hilft beim Einschlafen und kann eventuell sogar Prostatakrebs vorbeugen. Außerdem macht es Spaß und setzt Glückshormone frei.

Wie häufig Mann selbst Hand anlegen soll, dafür gibt es keine goldene Regel. Fast die Hälfte aller Männer, die sich selbst befriedigen, tun es entweder mehrmals pro Tag (9 %), täglich (19 %) oder zu mindestens an jedem zweiten Tag (23 %).1Häufigkeit sexueller Selbstbefriedigung von Männern | de.statista.com

Zwanghafte Masturbation welche vor allem mit einer Sucht nach Pornos einhergeht, sollte allerdings dringend vermieden werden. Dadurch können sogar gegenteilige Effekte entstehen und eine Impotenz kann verstärkt werden.

Quellen, wissenschaftliche Studien & Literatur:
  1. Häufigkeit sexueller Selbstbefriedigung von Männern | de.statista.com
  2. Ejaculation Frequency and Risk of Prostate Cancer: Updated Results with an Additional Decade of Follow-up | doi.org
  3. Schützt Selbstbefriedigung vor Prostata-Krebs? | medizin-transparent.at

Fotos: Gengwit Wattakawigran, Image Point Fr, TheVisualsYouNeed, diy13, Volodymyr TVERDOKHLIB | Shutterstock.com

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